Dem Favoriten die Stirn geboten – Neusser HV erkämpft sich einen Punkt gegen Düsseldorf

Was für eine Dramatik in den Schlussminuten! Nach dem 28:28 (19:14)-Remis zwischen den 1. Damen des Neusser HV und der favorisierten Fortuna aus Düsseldorf, im Derby der Oberliga Niederrhein, trauerten die Neusserinnen nur kurz der verspielten Führung hinterher, denn es hätte auch gänzlich ohne Punkte ausgehen können. 55 Minuten lang bestimmten überraschend die Gastgeberinnen das Geschehen, setzten gegen die klare körperliche Überlegenheit der Landeshauptstädterinnen, eine hohe taktische Disziplin, unbändigen Kampfeswillen und mannschaftliche Geschlossenheit. Mit Erfolg. Erst als die Kräfte beim dezimierten Kader schwanden und die Angst vor der eigenen Courage hinzukam, drohten die routinierten Gäste noch zu einem glücklichen Sieg zu gelangen. Die insgesamt unverdiente 27:28-Führung für die Fortuna, nur dreißig Sekunden vor dem Ende, glich Kim Klause aber noch nervenstark per Siebenmeter zum umjubelten Ausgleich aus. Nur eine Woche nach der heftigen Pleite in Rade, rehabilitierten sich die Neusserinnen eindrucksvoll und können, nach dem ersten Zähler seit vier Jahren gegen die Fortuna, mit nun 5:11 Punkten und Rang 11 in der Tabelle, etwas aufatmen.

Es waren bereits knapp fünf Minuten gespielt, als die Neusserinnen die anfängliche Torflaute beendeten und zum 1:3 trafen. Kaum einer der Zuschauer im Neusser Hammfeld wird sich zu diesem Zeitpunkt ausgemalt haben, was die Gastgeberinnen in der Folge auf die Platte bringen würden. Die massive 6:0-Deckung der Düsseldorferinnen drohte bis zu diesem Zeitpunkt, zum unüberwindlichen Bollwerk für den NHV zu werden, der seine ersten Angriffe in den Block oder in die sicheren Hände der Torhüterin warfen. Ähnliches ereignete sich auf der gegenüberliegenden Seite, nur dass hier die Gäste ebenfalls tonangebend waren und mit wuchtigen Würfen einnetzten. „Wir haben die Defensive noch einmal korrigiert und die gefährliche Achse der Düsseldorferinnen immer besser in den Griff bekommen. Das sorgte für Selbstvertrauen, was wir gut ins Tempospiel nehmen konnten“, sagte Trainer Christian Hentschel rückblickend. Seine Schützlinge setzten die Vorgaben dieses Mal hervorragend um, trafen immer wieder den Nerv der angekratzten Landeshauptstädterinnen, die nach zwei sieglosen Spielen, angeschlagen wirkten. Vom 3:3 (7. Minute) bis zum 10:10 (18.), wechselte die Führung beständig, ehe die Neusserinnen einen Zwischenspurt zum 13:10 (19.) hinlegen konnten. Von diesem erholten sich die Düsseldorferinnen bis zur Pause nicht, die mit 19:14 zum Pausentee hinten lagen.

„Ich hatte in der Pause große Sorge, ob wir das in dieser Weise überhaupt noch mehr als 15 Minuten durchhalten können. Die Mädels waren schon ziemlich ausgepumpt“, sagte der Trainer der Neusserinnen zu seinen Eindrücken beim Kabinengespräch und weiter, „gleichzeitig hatten sie den Glanz in den Augen, waren fokussiert und haben an eine Überraschung geglaubt!“ Die Neusserinnen sollten ihren Coach und die nun hoffnungsfrohen Zuschauer bis zur 55. Minute nicht enttäuschen. Sie machten einfach dort weiter, wo sie im ersten Abschnitt aufhörten. Kurioserweise erst eine dreifache Überzahl, nach mehreren Zeitstrafen für die Düsseldorferinnen, brachte den NHV aus dem Tritt. Statt die 22:16-Führung (38.) weiter auszubauen, verkürzten die Gäste auf 23:19 (41.). Das kostete Kraft und Nerven, was sich in den Schlussminuten fast noch rächte. Immer wieder war es nun Leonie Berger, die ihre Routine voll ausspielte und nach Freiwürfen einnetzte und zum 27:27-Ausgleich traf. Einen Angriff später sogar die Führung für die Fortuna, nach Katja Ottos Treffer zum 27:28. Doch in den letzten dreißig Sekunden belohnten sich die Neusserinnen für ihren tollen Kampf, holten einen Siebenmeter heraus und verwandelten eiskalt. „Es wäre tragisch für mein Team gewesen! Der Punkt ist mehr als verdient und ich freue mich unglaublich, dass wir das zusammen geschafft haben!“, sagte der Trainer erleichtert.

„Mit dieser Einstellung – als Team – haben wir hoffentlich einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Das wollen wir aber jetzt auch in den nächsten Spielen bestätigen“, sagte die spielende Co-Trainerin Kim Klause stellvertretend für die Neusser Mannschaft. Die nächste Gelegenheit dafür besteht erst in zwei Wochen (26. November 2016, 18.15 Uhr), wenn die Neusserinnen beim Tabellenführer TB Wülfrath in der „Fliethe“ antreten.

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