Nach der Kür die Pflicht verpatzt – Neusser Damen unterliegen beim Tabellenschlusslicht Solingen-Gräfrath II

Nur eine Woche nach dem Kreispokalsieg folgte in der Oberliga die Ernüchterung. Mit 30:28 (16:10) verloren die 1. Damen des Neusser HV am gestrigen Sonntagnachmittag, beim bisher sieglosen Schlusslicht HSV Solingen-Gräfrath II. Im letzten Spiel der Hinrunde in der Oberliga Niederrhein werden sich die Neusserinnen besonders über ihre eigene Leistung geärgert haben, in denen sie die eigene Defensive nicht stabilisieren konnten und den Solingerinnen eine 27:20-Führung ermöglichten. Ihr Schlussspurt in den letzten zehn Minuten, in denen sie den ganzen Ärger und Frust über Bord warfen, kam zu spät. Der Stachel des Frusts saß auch deshalb so tief, weil der HSV zwar alle Tugenden eines akut abstiegsgefährdeten Teams in die Waagschale warf, diese aber auch nahezu ungehindert ausleben durfte. Die Folge für die Neusserinnen – die Punkte blieben in Solingen, der NHV kehrte dagegen mit weiteren Verletzungssorgen zurück. Eine Woche bleibt den Quirinusstädterinnen, um die Blessuren zu kurieren und neuen Mut zu schöpfen, ehe die Rückrunde mit einer Auswärtspartie beim Tabellensechsten TV Walsum-Aldenrade angepfiffen wird (Samstag, 21. Januar 2017, 20 Uhr, Sporthalle Driesbusch in Duisburg).

Erst nach 23 Minuten nahm Trainer Christian Hentschel die erste Auszeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Team, nach ausgeglichenem aber fehlerhaftem Beginn (9:8/18. Minute), nicht mehr nur die Kontrolle in der Defensive verloren, sondern auch im Angriff. Der HSV drohte zu enteilen und führte mit 13:9. Anlass zur Korrektur hätte der Neusser Coach schon vorher gehabt. Denn sein Team präsentierte sich zu Beginn ohne die nötige Spannung in der Defensive und ließ sich gleich mehrfach mit einfachen Mitteln überwinden. Im Angriff zeigten die NHV-Mädels dagegen gefällige Kombinationen, die schon früh nur unsanft gestoppt werden konnten und drei gelbe Karten nach sich zogen. „Wir haben nach der Auszeit kurzzeitig unsere Abwehr stabilisieren können, wurden aber für unsere Offensivaktionen nicht belohnt“, sagte Hentschel noch diplomatisch. Tatsächlich blieben siebenmeterwürdige Griffe in den Wurfarm oder die Abwehr durch den Raum, wie fast im gesamten Spiel, ungeahndet und den Neusserinnen gelang so nur noch ein Treffer bis zur Pause, während die Gastgeberinnen auf 16:10 erhöhen konnten.

Den besseren Start in Halbzeit zwei erwischten dann die Quirinusstädterinnen. Zwei Treffer in Serie beantworteten die Solingerinnen aber mit ebenso zwei Treffern in Folge. Wiederum konnte der Neusser Trainer nicht zufrieden sein mit der Abwehr, die zu viele einfache Fehler machte. Das besserte sich auch nicht in Überzahl. Gleich zwei Mal erhoben die Unparteiischen die Finger zur Zeitstrafe für den HSV, aus denen das NHV-Team aber insgesamt mit 2:3 Toren ging. Es folgte eine erste gute Phase der Neusserinnen, die bis auf 21:17 (40.) verkürzten und in der sich die taktische Umstellung auf eine 4:2-Deckung bezahlt machte. Der Lauf wurde jedoch jäh ausgebremst, nachdem zunächst Madita Schut eine Zeitstrafe erhielt (40.) und während Loreen Jakobeit auf der Bank Platz nehmen musste (43.), die Unparteiischen erneut auf ihre allzu folgenlose Linie zurückkehrten. Passend die gelbe Karte für den Neusser Trainer (54.), der anstatt zur verletzt am Boden liegenden Sandra Höfig zu gehen, zuerst die vierte Attacke im Sprung von der Seite bei den Unparteiischen monierte, der sie sich nicht mehr erwehren konnte und ausschied. Die Attacke blieb folgenlos für die HSV-Spielerin, weckte aber offenbar den Trotz der Gäste. In einer noch offensiveren 3:3-Deckung sorgten sie nun für Ballverluste der Solingerinnen und verkürzten Tor um Tor. Es sollte nicht mehr als zum 30:28 reichen. Die Punkte blieben in Solingen.

Christian Hentschel zum Spiel: „Glückwunsch an den HSV und seinem Trainer zum Sieg! Wir sind sehr enttäuscht von unserer Leistung in der Abwehr, das ist klar. Uns fehlte lange die richtige Spannung, um gut verteidigen zu können. Solingen hat den Rahmen, der zu weit gesteckt wurde, dagegen ausgenutzt. Ich mache dem HSV oder seinem Trainer keinen Vorwurf aber die Grenzen waren zeitweise nicht mehr zu erkennen. Egal, ob übermotiviert, ungeschickt, absichtlich oder unabsichtlich – das Regelwerk soll auch die Gesundheit schützen und es gibt Verantwortliche für die Umsetzung. Und diese müssen sich heute genauso kritisch hinterfragen wie wir, weil wir Verletzte und Blessuren erlitten haben, die zu verhindern waren und die uns in den nächsten Spielen noch nachteilig werden können.“

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