Ein „Traum“ wurde wahr – Neusser Damen knacken den Favoriten Überruhr

Bereits Minuten vor dem Ende standen die Zuschauer applaudierend für die 1. Damen des Neusser HV auf – und das völlig zu Recht! Mit einer brillanten Team- und Willensleistung, entzauberten die jungen Gastgeberinnen, beim 35:27 (14:11)-Heimsieg, den Tabellenvierten SG Überruhr. Ein Sieg, den sich die Mannschaft „erträumte“, um die derbe Hinspielpleite wettzumachen und den sie sich so leidenschaftlich erspielte, dass die Zuschauer begeistert mitgingen. Nach einem Blitzstart, überstanden die Neusserinnen auch kritische Situationen, netzten zu den richtigen Zeitpunkten im gegnerischen Tor ein und setzten die Gäste immer wieder mit ihrer starken Abwehr so unter Druck, dass diese nicht ins Spiel fanden. Am Ende konnten sich die Gäste noch glücklich schätzen, dass die Pleite nicht deutlicher ausfiel. Voller Euphorie übertrieben es die Gastgeberinnen am Ende ein wenig und ließen den Zehn-Tore-Vorsprung noch einmal zusammenschmelzen. Dennoch – mit dem Coup von heute Abend, legten die Neusserinnen nicht nur einen wichtigen Schritt zum Klassenerhalt zurück, sondern holten sich auch den „ausgeliehenen“ achten Rang in der Tabelle zurück, den der TV Lobberich über Nacht übernehmen durfte.

Sollte das Studium nicht klappen, die junge Rechtsaußen Annika Honnef sollte zur Hellseherei wechseln. Bereits am vergangenen Dienstag lag sie dem Team mit ihrem „Traum“ in den Ohren, der einen Erfolg gegen die SG vorsah. Zunächst noch belächelt, ob der derben Hinspielpleite in Überruhr, sollte sich die Vorhersehung bereits in den Anfangsminuten erhärten. Mit einem Blitzstart überrumpelten die Gastgeberinnen die Essenerinnen. Bereits nach drei Minuten (3:1) zog SGÜ-Trainer Bernd Vatter den grünen Karton, um sein Team neu einzustellen. Denen schmeckte die aggressive und bewegliche Abwehr der Neusserinnen bis dahin genauso wenig, wie das konsequente Angriffsverhalten der Gastgeberinnen. Doch auch nach der Auszeit zeigten sich die Gäste beeindruckt und baute der NHV seinen Vorsprung auf 6:1 (6. Minute) aus. Erst jetzt fanden die Essenerinnen ins Spiel, auch dank einer ersten Unsortiertheit der Neusserinnen, die ihrerseits nun mit dem Kopf durch die massive Gäste-Defensive wollte. Beim 12:9 (18.) reichte es auch dem Neusser Trainer. „Ich habe nicht verstanden, warum wir plötzlich so vogelwild waren, uns über Kleinigkeiten aufregten und darüber unsere Linie verloren“, sagte Christian Hentschel rückblickend, der versuchte seine Mädels wieder zu beruhigen und erneut auf Kurs zu bringen. Zwar gelang den Gäste noch der Anschluss zum 12:11 (20.), danach besannen sich aber seine Schützlinge und bauten den Vorsprung erneut bis zur 14:11-Halbzeitführung aus.

Die zweite Halbzeit begann zunächst mit einer ersten Bewährungsprobe, als erst Lisa Klause und dann Sandra Höfig auf die Strafbank mussten und die SGÜ auf 19:18 verkürzte (37.). Wieder verstärkten die Neusserinnen ihre Defensivbemühungen, die sie benötigten, weil im Angriff etwas Sand ins Getriebe geraten war. So blieb die Partie spannend bis zum 21:20 (45.). Jetzt explodierten die Gastgeberinnen förmlich und spielten sich in einen Rausch. Über 26:20 (50.) und 30:22 (54.), wuchs der Vorsprung bis auf 35:25 (59.) an. Auch die offene 3:3- und 3:2+1-Deckung half den Gästen nicht mehr. Am Ende wurden die Quirinusstädterinnen noch etwas übermütig, „aber wer will es ihnen verdenken? Das war einfach die pure Freude über diesen überraschenden Erfolg, den sich die Mädels so verdient haben!“, sagte Trainer Christian Hentschel freudestrahlend. ÜBerruhr verkürzte in den verbleibenden 90 Sekunden noch auf 35:27 und darf sich wohl auch über die Höhe der Pleite nicht beschweren. „Anni darf ruhig öfter solche Träume haben“, witzelte Co-Trainerin Kim Klause, die wie alle anderen Spielerinnen völlig ausgepumpt aber glücklich über den Erfolg war.

Am kommenden Wochenende, mit dem zweiten Heimspiel in Serie, können die Neusserinnen die errungenen Punkte nun vergolden. Gegen den Aufsteiger Rheydter TV wollen und muss das NHV-Team mit gleicher Leidenschaft und Präzision zu Werke gehen, will man die Punkte im Hammfeld erneut behalten. „Rheydt ist sehr unangenehm zu spielen. Sie geben nie auf und haben richtig Qualität im Kader. Das wird extrem spannend!“, blickt Hentschel auf den 19. Februar 2017 voraus (16.15 Uhr).

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